Die Frage ist grotesk, doch die geschickte Stimmungsmache die teils gegen die E-Zigarette betrieben wird, führt leider dazu, dass Umsteiger immer wieder verunsichert werden, ob der Umstieg wirklich der richtige Schritt ist.

Ich bin weder Mediziner noch Wissenschaftler, allerdings fähig Studien zu lesen und daraus meine Schlüsse zu ziehen. Für besonderes Aufsehen sorgte unlängst ein Artikel im Ärzteblatt, der sich auf eine englische Studie bezieht. In der wurde eine möglicherweise schädigende Wirkung des Kondensats von E-Liquids auf die Makrophagen der Lunge, sozusagen das Selbstreinigungskommando der Lunge, im Reagenzglas nachgewiesen.  Wohl gemerkt, nicht am Menschen, selbst die Autoren der Studie sagen selbst, dass weitere Forschung nötig ist und wir noch nicht sagen können, wie sich E-Zigaretten bzw. Liquids „in vivo“ auswirken.  Sie warnen lediglich davor, E-Zigaretten als sicher anzusehen.

Wie definieren wir sicher mit Blick auf die Gesundheit? Dass E-Zigaretten nicht zu 100% unschädlich sind, will sicher niemand ernsthaft bestreiten, aber ebenso wenig,  dass eine Risikoreduzierung gegenüber der Tabakzigarette um etwa 95% besteht. Stadtluft ist ebenfalls unsicher.

Eine weitere Studie, die mit der sehr überschaubaren  Anzahl von 15 Probanden überrascht, wurde in Gesundheitsstadt Berlin besprochen. Hinter der Internetseite steht ein Verein, in dessen Vorstand u.a. der deutsche Geschäftsführer von Pfizer sitzt, zufällig ein Hersteller eines bekannten Antidepressivums, das als „Champix“ für Rauchentwöhnung eingesetzt wird. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. In der kleinen Studie der Uniklinik Schleswig-Holstein wurde die Erhöhung von Puls und Blutdruck beim Rauchen, Dampfen mit nikotinhaltigem Liquid sowie dem Dampfen mit Liquid ohne Nikotin gemessen, die Erhöhung von Blutdruck und Puls war bei den Dampfern mit nikotinhaltigem Liquid langanhalternder als bei den Rauchern, in der Spitze teils nahezu identisch.

Spannend wird es, wenn man sich die im Artikel nicht verlinkte aber öffentliche Studie einmal genauer ansieht. Als Testgerät war eine eGo-T mit 1,5Ohm Coil bei 7,26 Watt am Start, soweit alles wunderbar. Interessant aber, dass hier ein Liquid mit 24mg/ml Nikotin verwendet wurde und der letzte Satz der Studie sagt, dass diese „ziemlich hohe“ Konzentration bewusst gewählt wurde um „die erwarteten Effekte zu illustrieren“. Aus rein wissenschaftlicher Sicht vielleicht nicht verwerflich, da die Erhöhungen sich ohnehin, selbst in der Spitze,  allesamt in einem unbedenklichen Bereich bewegen und man Unterschiede herausarbeiten wollte. Als fader Beigeschmack bleibt: Warum verwendet man 24mg/ml, wenn die TDP2, zum Zeitpunkt der Studie schon voll in Kraft und national umgesetzt, doch den Verkauf von Gebinden mit Konzentrationen über 20mg/ml verbietet? Weil das Ergebnis mit 12mg/ml oder 18mg/ml zu unspektakulär gewesen wäre?

Besonders kontrovers diskutiert wird das Thema Passivdampfen, auch hier gehört das DKFZ zusammen mit der WHO Kooperationsstelle für Tabakkontrolle zu den Warnern, die allerdings nicht viel mehr in der Tasche haben als die Messwerte von einer einzelnen E-Zigarette, wohingegen andere und größer anlegte Studien des Fraunhofer Instituts und der Technischen Hochschule Zürichwie auch weitere seröse Studien, zu einem gänzlichen anderen Ergebnis kommen. Es gibt eine zweifelsfreie Partikelbelastung der Umgebungsluft, nur handelt es sich erstens um gesundheitlich unbedenkliche Partikel, zweitens um Konzentrationen die z.B. weit unter den Grenzwerten für eine Dauerbelastung am Arbeitsplatz liegen.

Warum wird also von einigen bzw. immer den gleichen Stellen das Mantra der Gefährlichkeit und Schädlichkeit des Passivdampfens wiederholt? Wohl weil Dampf aussieht wie Rauch und man den jahrzehntelangen Kampf gegen das Passivrauchen durch eine Harmlosigkeit des passiven Dampfens gefährdet sieht. Was aussieht wie Rauch, darf nicht unschädlich sein. Diese Argumentation wird sogar relativ unverhohlen ins Feld geführt, gerne auch unter Vermischung der E-Zigarette mit Tabakverdampfern wie IQOS, die wie der Name schon sagt nicht Liquid, sondern speziell präparierte Tabaksticks erhitzen, ohne sie zu verbrennen.

Dann gibt es noch Artikel wie diesen hier, den ich eigentlich nicht kommentieren möchte, da die betreffende Seite, zumindest in der Vergangenheit, auch die Therapie von Krebs mit Backpulver propagiert (oder dies zumindest in der Vergangenheit tat) und sich auch nicht zu schade war, wildeste Verschwörungstheorien wie „Chemtrails“ unkritisch darzustellen. Auch die Verbraucherzentrale Hamburg ist von diesem Portal wenig begeistert.

Um keine Irrtümer aufkommen zu lassen: Ich will keinesfalls sagen, Dampfen wäre gesundheitlich völlig unbedenklich. Ich kann es auch gar nicht beurteilen. Etwas mehr Sachlichkeit würde der Diskussion aber gut tun. Man gewinnt den Eindruck, dass die Gegner der E-Zigarette sich an jeden Strohhalm klammern, der Schädlichkeit erahnen lässt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Rauchen war immer böse, Dampfen darf jetzt nicht gut sein. Es wird ebenfalls inhaliert, es gibt Nikotin, es kommen Wolken raus, passt prima ins alte Feindbild. Wenn man die Schädlichkeit schon nicht nachweisen kann, sagt man einfach „eventuell gesundheitsschädlich“ oder „möglicherweise krebserregend“. Der Konjunktiv geht in der öffentlichen Wahrnehmung sowieso unter.

Natürlich muss weiter langfristig untersucht werden, welche Effekte genau das Dampfen auf den menschlichen Organismus hat. Angesichts der Tatsache, dass die im Liquid enthaltenen Inhaltsstoffe (PG/Propylenglycol/1,2 Propandiol, VG/pflanzliches Glycerin, Aromen) aber, abgesehen vom Nikotin, auch in einer Vielzahl von täglich konsumierten Lebensmitteln und fast jedem Kosmetikprodukt enthalten sind, ist ein Vorverurteilung völlig irrational. Alles deutet darauf hin, dass Dampfen weitaus unschädlicher ist, als Zigarettenkonsum.

Lassen Sie sich das Dampfen nicht madig machen, auch nicht durch olle Kamellen wie die „Popcorn Lunge“Für viele Raucher ist die elektronische Zigarette  eine vorher nie dagewesene Chance, endlich vom Glimmstengel wegzukommen. Der ist im Vergleich zum Dampfen nämlich ein Vielfaches schädlicher.  Nein, Dampfen ist nicht wie Bonbons lutschen, aber die Art und Weise in der manche sich auf jedes noch so kleine negative Detail stürzen, hält manche Raucher vom Umstieg ab. Bedauerlich, denn leider übernehmen einige Zeitungen und Magazine solche reißerischen Horrormeldungen nur zu gerne, ohne die Details im Sinne der jounalistischen Verantwortung zu prüfen und zu hinterfragen.

Update 20.10.2019: In den vergangegen Wochen und Monaten wurde vor allem in den USA eine regelrecht Hysterie ausgelöst, die in mehreren Bundestaaten zu einem Verbot von E-Liquids mit Aromen außer Tabak und Menthol, teils sogar zu einem kompletten Verkaufsverbot von Dampfartikeln führte. Hierbei handelt es sich nicht um Besetzgebung, sondern Notstandsverordnungen mit zeitlich begrenzter Dauer.

Ursache war eine Welle mysteriöser Lungenerkrankungen und sogar Todesfällen in folge dieser akuten Erkrankungen, die dem Dampfen zugerschrieben wurden. Relativ schnell zeichnete sich ab, dass es sich bei diesen Fällen nicht um das normale Dampfen wie wir es kennen handelt, sondern den Konsum illegaler THC (Marihuana Wirkstoff) Öle, die zudem mit Vitamin-E-Acetat als Verdickungmittel gestreckt waren, handelte. Also Straßendrogen, die Drogenlabore zur Gewinnmaximierung mit fragwürdigen ölbasierten und nicht für das Dampfen geeigneten Steckmitteln versetzt hatten, keine regulären und legalen Nikotin Liquids. Dennoch wurde in den Medien primär von einer „Vaping related illness“ gesprochen, der Eindruck erweckt, auch legale Dampfprodukte würden eine Gefahr darstellen. Inzwischen haben auch die offiziell mit der Untersuchung betrauten staatlichen Stellen, die FDA und CDC, eine explizite Warnung vor illegalen THC Cartridges ausgesprochen.

Somit bleibt festzuhalten: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geht von legal in der EU oder auch den USA produzierten nikotinhaltigen Liquids seriöser Hersteller keinerlei akute Gefahr aus. Weltweit wird seit einem Jahrzehnt gedampft, Millionen Vaper die täglich ihre normalen E-Liquids konsumieren, ohne dass es je zuvor Fälle wie diese Ausbruch an Lungenerkrankungen gegeben hätte. Lassen Sie sich nicht von Medienberichten, die durch grobe Verallgemeinerungen und reißerische Überschriften möglichst viele Klicks erzeugen wollen, verunsichern.

Es bleibt eine Tatsache, dass das Dampfen mindestens 95% risikoärmer ist als das Rauchen. Das ist keine Zahl, die sich Hersteller ausgedacht haben, sie stammt aus einer jährlick aktualisierten Metastudie einer der nahmhaftesten medizinischen Institutionen weltweit, dem Royal College of Physicians in England.