Zugegeben, der Versuch objektiv die besten Liquids oder Aromen zu küren, ist mutig. Auf Youtube sind Aromatests beliebt, in Foren wird heiß diskutiert, doch am Ende ist Geschmack extrem subjektiv. Was der eine als bestes Allday Liquid aller Zeiten sieht, definiert jemand anders vielleicht als „schmeckt wie Putzmittel riecht“ und würde keinen halben Tank davon dampfen wollen.

Welche Grundvoraussetzungen braucht ein gutes Allday?

Aus meiner Erfahrung gibt es drei ganz entscheidende Punkte, die gerade für Umsteiger bei einem Liquid, das einen über den Tag begleitet wichtig sind:

  1. Throat Hit. Als Raucher ist man es gewohnt, dass das Einatmen des Rauchs mit einem Druckgefühl am unteren Ende der Luftröhre quittiert wird. Ein wohliger Druck, der dem Gehirn die Nachricht sendet, dass der Rauch in der Lunge angekommen ist. Dieser Throat Hit wird unter anderem durch Nikotin ausgelöst, aber eben auch vom Rauch an sich. Genau hier liegt das ein kleines Problem beim Dampfen, denn Dampf erzeugt auch mit genügend Nikotin nicht unbedingt das gleiche Gefühl. Ich hatte anfangs oft das Gefühl, ich hätte gar keinen Dampf inhaliert, obwohl beim Ausatmen deutlich zu sehen war, dass ich irrte. Diesen Druckgefühl ist nicht zu verwechseln mit einem unerwünschten Kratzen im Hals, das wollen wir nicht. Zum Glück gibt es aber auch Aromastoffe bzw. Inhaltsstoffe für unsere Liquids, die neben dem Nikotin für mehr Hit sorgen. Dazu gehören vor allem kühlende Stoffe wie Koolada (WS 23), Menthol sowie der extra für ehemalige Raucher entwickelte Zusatz DNB, die den Geschmack nicht verfälschen, aber für mehr Befriedigung beim Einatmen sorgen. Ich habe nie Mentholzigaretten geraucht, bevorzuge aber Liquids mit Menthol. Auch Zitrusaromen, die ich persönlich nicht ausstehen kann, haben den gleichen Effekt.
  1. Geschmacksneutralisierung. Als Umsteiger ist man von der Zigarette gewohnt, dass jeglicher Geschmack nach dem Genuss des Glimmstengels neutralisiert ist. Beim Dampfen tritt dieser Effekt nur bei eher herben Liquids mit starker Geschmacksnote, die aber nicht an Essen erinnert, auf. Da sind wir wieder beim Menthol, das hier gute Dienste leistet und sowohl nach dem Genuss eines Dessert, als auch nach dem würzigen Döner dampfbar ist. Ein gutes Allday muss meiner Meinung nach zu jeder Situation kompatibel sein und das ist am ehesten der Fall, wenn es nicht an ein bestimmtes Essen erinnert. Vanilla Custard dampft sich lecker, ist für das Dampfen nach der Bratwurst aber nicht optimal.
  1. Kräftiger Geschmack. Als Umsteiger, der wahrscheinlich eher Mund zu Lunge (MTL) und nicht direkt auf Lunge (DTL oder DL) dampft, wie von der Zigarette bekannt, ist ein starker Geschmack besonders wichtig. Die Dampfmenge ist geringer als bei DL und somit sind lasche Aromen mit dezentem Geschmack eher eine schlechte Lösung. Ich fand es anfangs extrem ernüchternd, wenn sich der Geschmack nur erahnen ließ. Nie den Dosierungsempfehlungen auf Foren trauen, die von Subohm Dampfern stammen. Die meinen es nicht böse, aber was DL mit 5% vielleicht super schmeckt, ist MTL mit 10% oder eher 15% sicher die bessere Wahl. Es gibt Ausnahmen, aber wie beim Nikotin, wo 12mg DL selbst den härtesten Ex-Raucher, der MTL 18mg dampft, aus den Socken haut (nicht ausprobieren!), sind für das klassische Dampfen einfach andere Dosierungen ratsam als beim neumodischen Subohmen. Das gilt auch für die Base beim selbst mischen, MTL entweder PG/VG 50/50 oder PG/VG/Wasser 55/35/10, denn zuviel VG ist dem Geschmack eher abträglich.

Welche Liquids und Aromen sind als Allday empfehlenswert?

Ganz konkret und aus eigener Erfahrung kann ich folgende Aromen und Liquids empfehlen, die allesamt zu meinen Alldays gehören. Wer schon Erfahrungen mit dem Mischen von Base, Base mit Nikotin und Aroma hat, greift am besten gleich zum Aroma, denn Aroma für ca. 100ml kostet kaum mehr als 10ml Fertigliquid.

  • Red Astaire, dieses legendäre Aroma von T-Juice aus England aus dunklen Beeren, Anis und einem Hauch Mentholist fruchtig, nicht zu süß, gleichzeitige angenehm kühl. Mein absoluter Favorit, günstig als Aroma oder z.B. hier als fertiges Liquid.
  • Heisenberg, der Vater aller komplexeren Aromen und unübertrieben das wohl am häufigsten je verkaufte Aroma/Dampferliquid in Europa. Die genaue Mischung ist unbekannt, wohl vor allem blaue Beeren, Absinth (Kräuterschnaps, wobei das Liquid natürlich alkoholfrei ist), Anis, Menthol. Sehr kräftig und herb, undefinierbar, man liebt es oder man hasst es. Als 30ml Aroma (10ml Aroma wie bei vielen anderen Herstellern gibt es bei Vampire Vape leider nicht) oder Fertigliquid. Stilecht leicht blau eingefärbt, denn mit Heisenberg ist nicht der berühmte Physiker Werner Heisenberg sondern vielmehr Walter White aus der Erfolgsserie „Breaking Bad“ gemeint. Es gibt vom gleichen Hersteller auch ein Liquid mit Namen Pinkman, das ich aber als Allday, insbesondere MTL, für eher untauglich halte. Dennoch, wer Heisenberg probiert hat, sollte als Kontrast ruhig mal Pinkman testen, das wesentlich süßer und fruchtiger ist. Beide werden auch öfters als Probierkombination angeboten.
  • Gold Ducat, basierend auf einem Aroma von Inawera, einem großen Hersteller aus Polen, der übrigens hervorragende Aromen zum kleinen Preis anbietet. Gibt es auch als fertiges Liquid, z.B. unter der Dampfdorado Hausmarke, zum fairen Preis für alle die nicht selbst mischen können oder einfach nur probieren wollen. Für mich das beste Tabakroma für Umsteiger, es schmeckt rund, minimal süßlich, gleichzeitig herb und nicht so fad oder verkohlt wie viele andere Tabakaromen. Es versucht nicht, den Geschmack von verbranntem Tabak zu imitieren (was eh nie wirklich gelingt), sondern schmeckt so, wie eine Packung Zigaretten beim Öffnen riecht, mit leichter Tendenz zum Geschmack von Pfeifentabak. Etwas milder im Throat Hit, wer es deftiger mag, fügt einfach etwas DNB hinzu (auch als „Dirty Base“ fertig gemischte Base erhältlich), das einen leicht aschigen Geschmack mit mehr Druck im Hals bewirkt und so jedes Tabakliquid etwas näher an den Zigarettengeschmack heranführt.
  • Opium, Es gibt kaum einen Hersteller der in Dampferkreisen in den letzten Jahren für mehr Aufruhr gesorgt hat als Bidzina Kanchaveli aus Berlin, besser bekannt unter seinem Markennamen Tom Klark. Geschicktes Marketing und Mut zu Neuem, denn zumindest Opium schmeckt wie kein anderes Liquid auf dem Markt. Herb, holzig und etwas harzig, eine Spur Kaffee im Abgang, ein Hauch Waldmeister, so richtig identifizierbar ist nicht was drin ist, erinnert an den Geruch von getrocknetem Brennholz von der Fichte. Trocken und warm. Wie bei Heisenberg, manche finden es genial, manche nur grauenhaft. Tatsache ist: Es ist endlich mal was komplett anderes und zumindest probiert sollte man es haben, vor allem wenn man sonst Tabakaromen mag. Schmeckt nicht nach Tabak, ist aber ähnlich trocken und herb. Gibt es nur als fertiges Liquid, für echte Fans auch in Großgebinden in Form edler Glasflaschen. Trotzdem nicht gerade billig im Vergleich zu Eigenmischungen aus Base plus Nikotin und Aroma, zudem leider nur als 70VG/30PG erhältlich, würde mit 50/50 wahrscheinlich noch einen Tick besser schmecken.
  • Menthol, reines Menthol Liquid, egal ob selbst mit Saunakristallen aus der Apotheke und Weingeist hergestellt oder als fertiges Liquid. Passt zu allem, guter Throat Hit und wer etwas Abwechslung sucht, kann es super mit Fruchtaromen oder sogar anderen Fruchtliquids mischen. Dampft auch Philgood vom Liquidhimmel, übrigens der wohl beste und objektivste YouTuber (wenn man ihn den so nennen mag) der seit der ersten Stunde des Dampfens aus erster Hand berichtet und als einer der wenigen ist, der noch nicht dem Subohm Wahn mit immer mehr Watt verfallen ist, sondern MTL dampft.
  • Bragger von Avoria, entweder als Aroma oder als fertiges Liquid erhältlich. Ein sehr rundes und eher mildes Tabakaroma mit dezentem Throat Hit, dennoch reichhaltiger Geschmack für alle die süßen Tabak mit Karamell und Vanille mögen. Für viele das Tabakaroma schlechthin, weil es nach Tabak schmeckt, ohne eine Zigarette imitieren zu wollen. Kein klassisches Tabakliquid, aber genau das macht Bragger einzigartig.

Was mache ich, wenn ich ein Allday gefunden habe?

Gratulation, denn der Weg bis man endlich einen Geschmack hat, der einem im Alltag wirklich gefällt, kann anfangs etwas steinig sein. Ich probierte erst ewig mit Tabakaromen, von denen mir keines zusagte, so manches Mal wollte ich frustriert zur Zigarette greifen. Auch heute stellt sich das HWV (Haben wollen Virus) immer mal wieder ein, es könnte ja noch einen besseren und perfekteren Geschmack geben. Der Dampfer neigt zum Jagen und Sammeln, was meist mit einer großen Kiste an Liquids und Aromen die man vielleicht irgendwann nochmal dampfen wird (macht man nicht, lieber verschenken und tauschen) endet.

Grundregel: Ist ein gutes Allday gefunden, immer einen Tank ausschließlich damit füllen und genügend Vorrat im Haus haben. Egal was man ausprobiert, das ist die Fallback Lösung, wenn alles andere nicht schmeckt. Die sichere Bank, das Backup, vielleicht nicht neu, aber dafür bewährt.

Eine kleine Warnung zum Schluss: Was heute Allday ist, muss nicht ewig Allday bleiben. Gerade in den ersten Monaten ändert sich oft der Geschmack, so steigen z.B. viele die im Rahmen des Umstiegs eher Tabakliquids gedampft haben langsam aber sicher auf andere Geschmacksrichtungen um. Nicht alle, aber viele. Wer dann einen halben Liter Liquid oder riesige Mengen Aroma gebunkert hat, ärgert sich. Vorrat ist gut, aber es muss keine Jahresration sein.

Hinzu kommt das, was gemeinhin als „Vapers Tongue„, die Dampferzunge bekannt ist. It’s not a bug, it’s a feature, die Nase bzw. das Gehin blenden immer wiederkehrende Gerüche aus. Wie schnell und wie stark dieser Effekt ist, ist von Mensch zu Mensch stark verschieden. Wenigen Glücklichen passiert es nie, aber fast jeder Dampfer kommt irgendwann an dieser Punkt. Genau deshalb riecht auch mancher, der ein Deodorant gut gebrauchen könnte aber keines benutzt, das Problem nicht. Das Gehirn blendet den bekannten Geruch, selbst wenn er ziemlich intensiv ist, einfach aus.

Schmeckt das Allday das anfangs himmlich war plötzlich fad, verkokelt, dumpf oder gar nicht mehr, hilft es einfach mal zu einem ganz anderen Geschmack zu wechseln und schon nach wenigen Tagen selbstverordneter Pause schmeckt das Lieblingsliquid wieder wie am ersten Tag. Andere Methoden, wie das Riechen an Kaffee, das Trinken von Wasser oder Milch, Erhöhung der Aromakonzentration im Liquid oder diverse Tricks, die angeblich gegen die Dampferzunge helfen, sind völlig wirkungslos. Abstinenz vom Lielingsliquid ist nicht schön, aber der sicherste Weg diese Geruchsabstumpfung so schnell loszuwerden, wie sie gekommen ist.